Offener Brief einer Gruppe von Akademikern, Schriftstellern, Künstlern, Journalisten und iranischen Aktivisten an die Gemeinschaft der Bahai in der ganzen Welt

 

 

Wir sind beschämt!

 

150 Jahre Schweigen über die Unterdrückung der Bahá’í sind genug

 

Im Namen der Güte und Würde, im Namen der Menschlichkeit und der Freiheit!

 

Als Iraner sind wir beschämt, da Sie, die Bahá’í-Bürger unseres Landes, seit anderthalb Jahrhunderten Ihrer Rechte im Iran beraubt werden.

 

Wir glauben fest daran, dass jeder Iraner „ohne irgendeine Unterscheidung, wie etwa nach Rasse, Farbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, nach Eigentum, Geburt oder sonstigen Umständen“ über die Rechte verfügen muss, die jedem Menschen zustehen, so wie diese in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte formuliert sind.

 

Die iranischen Bahá’í werden von den Anfängen der Offenbarung dieses Glaubens bis heute wegen ihrer religiösen Überzeugung entrechtet.

 

Wie historische Dokumente belegen, wurden von Anbeginn der Entstehung der Bábí- und später der Bahá’í-Religion im Iran Tausende lediglich aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen durch Fanatismus und Aberglauben ermordet. Allein in den ersten Jahrzehnten der Geburtsstunde dieser Religion wurden etwa 20.000 ihrer Angehörigen in verschiedenen iranischen Städten ausgerottet.

 

Wir sind beschämt, dass in der damaligen Zeit keine Stimme des Widerspruchs gegen diese barbarischen Morde erhoben wurde;

 

Wir sind beschämt, dass die Gemeinschaft der iranischen Intellektuellen schwieg, als diese Gruppe unserer Landsleute auch nach der harten Unterdrückungen in den ersten Jahrzehnten der Entstehung ihres Glaubens sowie im letzten Jahrhundert regelmäßiger Verfolgungen und Angriffe ausgesetzt, als ihre Häuser und ihre Arbeitsplätze angezündet und zerstört, ihr Leben und ihre Ehre verletzt und ihr Besitz geraubt wurden;

 

Wir sind beschämt, dass in den letzten dreißig Jahren die Anschläge gegen die Bahá’í eine gesetzliche Form angenommen hat und mehr als 200 Bahá’í allein wegen ihrer religiösen Überzeugungen ermordet worden sind;

 

Wir sind beschämt, dass eine Gruppe von Intellektuellen den Druck gegen die Bahá’í in ihren Theorien rechtfertigt hat;

 

Wir sind beschämt, dass wir geschwiegen haben, als viele alt gewordene Bahá’í noch nicht einmal ihre Rente bekamen, obwohl sie jahrzehntelang dem Iran gedient hatten;

 

Wir sind beschämt, dass wir still geblieben sind, als Tausende junge Bahá’í aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen und ihrer Aufrichtigkeit bei Äußerungen über ihren Glauben vom Studium an Universitäten, Schulen und höheren Bildungseinrichtungen ausgeschlossen wurden;

 

Wir sind beschämt, dass wir geschwiegen haben, als Bahá’í-Kinder aufgrund der religiösen Überzeugungen ihrer Eltern in den Schulen und in der Öffentlichkeit erniedrigt wurden;

 

Wir sind beschämt, dass wir still geblieben sind, als uns die schmerzvolle Wahrheit bewusst wurde, dass in unserem Land die Bahá’í systematisch verleumdet werden und unter Druck geraten. Einige von ihnen sind nur wegen ihrer religiösen Überzeugungen in Haft. Anderen werden Häuser und Arbeitsplätze zerstört. Sogar die Friedhöfe unserer Landsleute werden überfallen und geschändet;

 

Wir sind beschämt, dass wir geschwiegen haben über das lang dauernde, traurige, erschreckende und grausame Dunkel der ungerechten Institutionalisierung von Gesetzen gegen die Bahá’í in unserem Land und geschwiegen haben über die Ungerechtigkeiten und Repressionen gegen unsere Landsleute durch offizielle und inoffizielle Organe der Regierung;

 

Wir sind beschämt wegen der Ausübung dieser Verbrechen und Diskriminierungen und wir sind beschämt, weil wir über diese Taten geschwiegen haben.

 

Wir, die Unterzeichner und Unterzeichnerinnen dieses Briefes, bitten Sie, die iranischen Bahá’í, um Verzeihung für unser Schweigen, insbesondere die Opfer der begangenen Verbrechen.

 

Wir werden nicht mehr über die Ungerechtigkeiten schweigen, die Sie erleiden müssen.

Wir werden auf dem Weg zur Verwirklichung der Menschenrechte, so wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte niedergeschrieben wurden, an Ihrer Seite stehen.

 

Lassen Sie uns gemeinsam aufstehen für Liebe und Aufklärung, um Hass und Unwissenheit zu verdrängen.

 

3.2.2009

Last Change: 13.02.2009, 23:57